Wenn wir beginnen, uns mit unserem Zyklus zu beschäftigen, lernen wir nicht nur unseren Körper besser kennen.
Wir beginnen, selbst-bewusster zu leben. Selbst-bestimmter zu handeln. Selbst-wirksamer zu werden.
Und genau deshalb ist Zykluswissen für mich ein feministischer Akt.
Die Unterdrückung von Frauen, das Kontrollieren von Frauenkörpern, zieht sich seit Jahrtausenden durch patriarchale Gesellschaftsstrukturen. Wissen war dabei schon immer Macht.
Unwissen hielt Menschen abhängig.
Wer den eigenen Körper kennt, kann bessere Fragen stellen. Kann informierte Entscheidungen treffen. Kann Symptome einordnen, statt sie einfach hinzunehmen. Und genau darin liegt eine Kraft, die weit über den Menstruationszyklus hinausgeht.
Jede Frau, die sich mit ihrem Körper auskennt, gute Fragen stellen kann und weiß, wie sie mit diesen Hormonwellen umgehen kann und muss, rebelliert gegen die aktuellen Leistungs- und Gesellschaftsstrukturen.
Denn durch das Leben im und mit dem Zyklus brechen wir dieses 24/7-Rad schlicht auf.
Unsere Gesellschaft wurde auf Konstanz aufgebaut: jeden Tag gleich produktiv, gleich belastbar, gleich leistungsfähig.
Doch Leistung als Frau KANN nicht jeden Tag gleich sein. Und das ist gut so.
Wir sind keine Maschinen.
Vielleicht ist genau das der unbequemste Teil am Zyklusbewusstsein: Er erinnert uns daran, dass wir Menschen sind. Dass Energie, Kreativität, Fokus und Rückzug natürlichen Wellen folgen dürfen. Nicht, weil wir schwach sind, sondern weil wir lebendig sind.
Dabei geht es nicht darum, weniger zu leisten. Es geht darum, anders mit den eigenen Ressourcen umzugehen. Nicht permanent gegen den Körper zu arbeiten, sondern mit ihm.
Gleichzeitig leben wir in einer Welt, in der Menstruation vielerorts noch immer mit Scham verbunden ist. Es gibt noch viel zu viele Länder, in denen Frauen beschämt, unterdrückt und weggesperrt werden, weil sie ihre Periode haben.
Hier in Österreich ist es auf den ersten Blick besser. Aber das Verstecken der Periode bedeutet in Mitteleuropa nicht, in eine Menstruations-Hütte gesperrt zu werden.
Es bedeutet, Sätze zu hören wie: „Hast du schon wieder deine Tage?“
Es bedeutet, im Arztzimmer zu sitzen und zu hören: „Regelschmerzen sind normal.“
Es bedeutet, als Schulmädchen den Tampon noch immer heimlich aufs WC zu schmuggeln.
Scham sieht nicht überall gleich aus. Aber sie wirkt überall ähnlich.
Sie sorgt dafür, dass wir schweigen. Dass wir glauben, nur wir hätten diese Beschwerden. Dass wir unsere Erfahrungen kleinreden oder uns selbst nicht ernst nehmen.
Deswegen: Unseren Privilegien bewusst, haben wir die Möglichkeit, offener und freier über dieses Thema zu sprechen und es in den Alltag zu bringen.
Denn Bewusstsein für und Arbeit mit dem Zyklus bedeutet auch: Verbindung. Community.
Sobald wir anfangen, darüber zu sprechen, merken wir: Es geht nicht nur mir so. Knapp mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung menstruiert, oder hat es getan. (Die Wechseljahre sind dann ja das nächste feministische Thema.)
Das Isolieren, das durch Scham passiert, spielte dem Patriarchat schon immer in die Hände. Denn richtig stark sind wir nur als Gemeinschaft.
Wer sich nicht zusammenschließt, kann auch nur schwer etwas bewirken.
Deswegen ist es für mich auch schon ein feministischer Akt, wenn wir beginnen, im Freundinnen-Kreis, in der Familie oder mit Arbeitskolleg*innen ganz offen über die Periode und den Zyklus zu sprechen.
Es zu einer Selbstverständlichkeit zu machen. Nicht, weil jede Unterhaltung die Welt verändert. Sondern weil tausende Gespräche es tun.
Jede Frau, die ihren Körper versteht.
Jede Mutter, die mit ihrer Tochter offen spricht.
Jede Freundin, die sagt: „Mir geht’s genauso.“
Jede Kollegin, die ihre Periode nicht mehr verstecken muss.
All das macht den Weg ein kleines Stück leichter.
Und genau so beginnt Veränderung.
Für Frauen, die gerade nicht wissen, wo sie anfangen sollen.
Ob Zyklusbeschwerden, Regelschmerzen, Hormonchaos, PMS, Kinderwunsch, Verdauungsprobleme, Perimenopause, Erschöpfung oder einfach das Gefühl, dass dein Körper gerade nach Aufmerksamkeit ruft:
Wir schauen gemeinsam auf das, was dich aktuell bewegt, schaffen Klarheit für deine nächsten Schritte.
